Ich bin ein Kind der 90er, Mama von zwei kleinen Kindern und aktuell in Elternzeit. Und irgendwo zwischen Familienalltag, Windeln, Kinderlachen und dem ganz normalen Wahnsinn ist meine Liebe zur Keramik entstanden.
Der Auslöser dafür war tatsächlich eine ziemlich hässliche kleine getöpferte Figur aus meiner Grundschulzeit. Meine Mama hat sie mir irgendwann mitgegeben, weil sie selbst keinen Platz mehr dafür hatte. Was soll ich sagen – schön war sie wirklich nicht. Aber sie hat etwas in mir ausgelöst.
Ich hatte irgendwann keine Lust mehr auf Fernsehen oder Bücher und einfach das Bedürfnis, etwas mit meinen Händen zu machen. Also habe ich angefangen zu töpfern.
Das Töpfern habe ich mir selbst beigebracht und lerne bis heute immer weiter. Denn genau das fasziniert mich an Keramik: Man hat nie ausgelernt. Es gibt immer neue Techniken, neue Formen, neue Glasuren und unzählige Möglichkeiten, etwas auszuprobieren.
Ganz fremd ist mir die Keramik allerdings nicht. Ich bin gelernte Zahntechnikerin mit Schwerpunkt Keramik. Dadurch bringe ich bereits ein gutes Verständnis für keramische Materialien, Verarbeitung und Brennkurven mit. Trotzdem ist das Töpfern für mich etwas ganz anderes. Hier darf ich viel freier arbeiten, ausprobieren und meiner Kreativität folgen.
Am liebsten arbeite ich mit meinen Händen und lasse den Ton langsam seine Form finden. Das Formen fühlt sich für mich fast ein bisschen wie Streicheln an. Ich liebe organische, natürliche Formen, die nicht ganz perfekt und gerade sein müssen. Dazu kommen besondere Farben und Glasuren, mit denen ich immer wieder experimentiere.
Und dann ist da noch dieser eine Moment, auf den ich jedes Mal völlig verrückt hinfiebere: das Öffnen des Ofens nach dem Glasurbrand.
Ich kann es kaum erwarten. Den ganzen Tag bin ich aufgeregt wie frisch verliebt und frage mich, wie die Glasur wohl geworden ist, welche Farben sich entwickelt haben und was der Ofen dieses Mal für mich bereithält. Man kann vieles planen – aber ein kleines bisschen Überraschung bleibt immer. Und genau das liebe ich.
Bei meinen Arbeiten nehme ich mir Zeit und versuche, aus jedem Stück das Schönste herauszuholen. Dabei darf ich selbst noch lernen, ausprobieren und neue Wege entdecken. Gerade bei Glasuren gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken – und genau das macht für mich einen großen Teil der Faszination aus.
Besonders gut kann ich mich in werdende Mamas hineinversetzen. Ich selbst war vor nicht einmal einem Jahr noch schwanger und weiß deshalb noch sehr genau, wie besonders diese Zeit sein kann – mit all ihren schönen, aufregenden und manchmal auch ganz schön verrückten Momenten.
Meine kleine Keramikwerkstatt befindet sich bei uns im Keller. Mein Mann unterstützt meinen Wahnsinn der Selbstständigkeit und gestattet mir großzügigerweise, dort mit Ton und Glasuren zu experimentieren.
Wobei wir ehrlich sein wollen: Wirklich etwas zu sagen hat er natürlich nicht.
Zu unserer Familie gehören neben meinem Mann und unseren zwei kleinen Kindern auch unsere Dobermannhündin Grace und unser Quarter Horse Lena. Bei uns ist also eigentlich immer etwas los.
Wenn ich nicht gerade in meiner Werkstatt stehe, finde ich meinen Ausgleich beim Yoga oder bei meinen Freundinnen – Menschen, bei denen ich einfach ganz ich selbst sein kann.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Keramik so liebe: Ich kann dabei ganz ich selbst sein, meiner Kreativität freien Lauf lassen und aus einem einfachen Stück Ton etwas ganz Besonderes entstehen lassen.